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Sagmeister und Medeiros

GN vom 22.03.2011

Kammerjazz mit Plauderei

Sagmeister und Medeiros verzaubern ihr Publikum

Zwei Ausnahmemusiker haben Neuenhaus einen großen Abend beschert: Michael Sagmeister und Britta Medeiros verzauberten am Freitagabend ihr Publikum.

Von Jörg Leune - Neuenhaus.

Fotos: Gerold Meppelink

Die Neuenhauser Kulturpassinitiative hatte für ihre Jazznight am Freitagabend ein passendes Ambiente geschaffen. Der große Frankfurter Gitarrist Michal Sagmeister konzertierte zusammen mit der eindrucksvollen Jazzsängerin Britta Medeiros in angenehmer Clubatmosphäre auf einem Podium unterhalb der Bühne, also auf Augenhöhe mit dem Publikum. Und auf dieser Augenhöhe kommunizierten die beiden auch mit den Zuhörern..

Man spürte eine warme Freundlichkeit, die beide Künstler ausstrahlten, und sie empfanden offensichtlich ebenso die Freundlichkeit, die die Besucher ihnen entgegenbrachten. Der Clubatmosphäre entsprechend war der Beifall stets herzlich, kaum je stürmisch.

Das musikalische Miteinander des Gitarristen und der Sängerin unterstrich eindrucksvoll ihr großes Können. Britta Medeiros verfügt über eine Stimme von ungewöhnlichem Umfang und beeindruckender Ausdrucksfähigkeit. Und doch deutete sie ihr Können häufig nur an. Nur im Country-Song steigerte sie ihren Gesang einmal zu voller Lautstärke. In allen anderen Genres, ob Ballade, Blues, Bossa Nova, Popsong oder Jazzimprovisation blieb sie auf gleicher Klanghöhe wie Sagmeister mit seinem weichen edlen Akustik-Sound.

Aber nicht nur die Dynamik von Stimme und Instrument waren einander angeglichen. Immer wieder im Verlaufe des Abends hatte man den Eindruck, dass auch die Gitarre sang und die Stimme spielte. Ein blindes Verstehen schien dem Zusammenklang der beiden zugrunde zu liegen. Darin bauten sie einander förmlich auf. Das Instrument interpretierte die Stimme und umgekehrt. Schier wahnwitzig virtuose Gitarrenpassagen begleiteten häufig den Gesang. Dabei ließ Sagmeister die verschiedenen Stile musikalischer Entwicklung der letzten vierzig Jahre Revue passieren, an der er selbst so großen Anteil hatte. Immer ist sein Spiel dabei durch ein ausgewogenes Verhältnis von Virtuosität und Strukturierung geprägt.

„Ich sitze mit Gitarre bequemer als ohne…“, sagt Michael Sagmeister auf seiner Homepage von sich. Das spürt man auch daran, dass es nicht seine Sache ist, großes Aufheben von seiner Person zu machen. Häufig bleibt der Dialog auf dem Podium für das Publikum kaum wahrnehmbar, obwohl er für das Gelingen des Abends zu wichtig ist. Und wenn Sagmeister mit seinem Frankfurter Dialekt kokettiert, den Missstand der „Eintracht“ beklagt oder von seinem unkonventionellen Auftritt anlässlich seiner Professur an der Hochschule erzählt, immer wieder wird deutlich: Sein Gitarrenspiel ist sein Ein und Alles.
Der Schlussbeifall war dann doch einmal stürmisch. Zwei Ausnahmemusiker haben Neuenhaus einen ganz großen Abend beschert.

 

Fotos: