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Folk’n More& King Louis

GN vom 09.11.2011

Folk’n More& King Louis

In Neuenhaus lebt der Folk

Anspruchsvolles Revival vor aufmerksamem Publikum

Von Jörg Leune - Neuenhaus.

Fotos: Klaus Mosch-Wicke

Der Neuenhauser Kulturpass hatte für den Samstagabend zu einer Folknight geladen. Und das Forum war erstaunlich gut gefüllt. Nicht so wie vor 35 Jahren, als „Volksmund“ vor 900 Zuhörern spielte; aber die Veranstalter konnten doch zufrieden sein. Denn zweifellos führt die Folkmusik heute eine Nischenexistenz, und die Besucher sind denn auch in der Mehrzahl grau- und weißhaarig.

Zwei Gruppen waren diesmal dabei: „Folk’n More“ aus Vechta und der legendäre „King Louis“, der eigentlich vor zwölf Jahren sein Abschiedskonzert gegeben hatte.

Die Gruppe aus Vechta eröffnete den Abend. Thomas Erdl-Konietzny (Violine), Gerhard Koch (Gitarre), Nils Gerhardts (Percussion), Oliver Völker (Akkordeon) und Fritze Winnacker (Kontrabass) sind Lehrer an der dortigen Kreismusikschule. Sie sind allesamt wirkliche Könner auf ihren Instrumenten. Sie können einander im Zusammenspiel blind vertrauen. Was sie spielen – und da gibt es kaum Beschränkungen – zeigt, wie sie die unterschiedlichen Genres beherrschen. Man hörte Klezmer, Irisches, Lateinamerikanisches, auch Rock-Titel.kingl6

 

Gerhard Koch hat die meisten Arrangements geschrieben und einige Titel selbst komponiert. Das Ergebnis könnte man als „akademischen Folk“ bezeichnen. Das heißt, die Stücke gehen

von Volkstümlichem aus und fantasieren auf hohem Niveau über die Themen. Dabei gibt es immer wieder traumhafte Zusammenklänge zweier Instrumente, die Melodieinstrumentalisten brillieren mit ihren Soli, Winnacker spielt eine äußerst lebendige Bassbegleitung und Gerhardts leistet Erstaunliches; denn er spielt fast nur den Cajon – aber wie! Dazu erweist er sich als guten Sänger. Der Beifall für die Darbietungen der Gruppe war immer wieder herzlich. Aber es sprang eigentlich kein Funke über; man lauschte eben einem guten Konzert. Der frühere Neuenhauser Fritze Winnacker bemerkte in seiner etwas kargen Moderation, dass die Gruppe es eigentlich kaum gewohnt sei, vor einem so aufmerksamen Publikum zu spielen.

Nach der Pause dann die Altmeister von „King Louis“, diesmal mit Gästen. Das waren Fritze Winnacker, der für den verhinderten Wolfgang Engelbertz den Kontrabass übernahm, der Percussionist Gerrit Kolhof und der Sänger Rolf Lüüs. Wie gewohnt moderierte der Leadsänger, Gitarrist (und Geiger!) Gerhard Behmenburg trocken und witzig, Gerd Schippers fiedelte, Heino Sluet zeigte wieder Verblüffendes auf seiner Bluesharp und Friedrich Behmenburg ließ seinen feinen Tenor hören.

Ganz stark aber war der Beginn ihres Auftritts. Drei Gruppenmitglieder sangen gemeinsam mit der a-capella-Formation „Wirsing“ den schönen Silcher-Satz „In einem kühlen Grunde“, der allmählich vom Original in eine Parodie überging. Noch zweimal gab es das Miteinander von „King Louis“ und „Wirsing“. Besonders gelungen war die Bearbeitung von Mozarts „Sagt, holde Frauen“ mit Fidi Behmenburg in der Hosenrolle und den übrigen Sängern als Orchesterstimmen. Ansonsten genoss man die erfolgreichen Oldies der Gruppe, angefangen mit „So einen Clown möchte ich gern mal verhaun“, angereichert durch drei gelungene Lieder mit Rolf Lüüs und neuen Instrumentals.

Absoluter Höhepunkt war die Zugabe: Da trat mit einem Mal Gerd Kortmann auf die Bühne und zelebrierte im wahrsten Sinne des Wortes den „jippen Jan Harm“; denn er sang ihn nicht nur, sondern vollführte dazu eine unglaublich gute Bühnenshow. Das nächste Folk-Revival in Neuenhaus wird nicht lange auf sich warten lassen.

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