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Jarrett, Chris / Malte-Schiller-Quartett

GN vom 20.05.2009

Hauch von Weltharmonie in Neuenhaus

Eindrucksvolle Jazznight mit Chris Jarrett und Malte-Schiller-Quartett

Von Jörg Leune

Neuenhaus. Die Jazznight des Kulturpasses am Sonnabend war wieder ein Erfolg.

Vor dem zahlreichen und größtenteils fachkundigen Publikum traten diesmal der amerikanische, inzwischen längst zum Weltmusiker gewordene Pianist Chris Jarrett und – nach der Pause –wieder einmal das Malte-Schiller-Quartett auf.

Chris Jarrett verfügt über eine fulminante Technik und eine unendlich scheinende Inventionskraft. Sein einleitendes Stück war ein wohlgeformtes Beispiel musikalischer Rhetorik. Er führte ein eindrucksvolles Frage- und Antwortspiel zwischen linker und rechter Hand auf. Die anschließende Komposition „Guten Abend“ beginnt mit verwirrenden Tontrauben und rasanten Läufen, kulminiert in einer tief liegenden rollenden Bewegung der rechten Hand zu ekstatischen Bässen. Dann aber wird dieser Hexensabbat durch eine geradezu liebliche lyrische Sequenz abgelöst wird, die wiederum in einen rasenden Rhythmus im gesamten Tonraum der Klaviatur übergeht. Die folgende Auswahl kleiner Geschichten aus unserer Zeit ist weit entfernt von Programmmusik. Lediglich in dem Stück über die „Little Animals“ im Zimmer, in dem Insekten den Musiker beim Bachspiel stören, ist ein wenig Wirklichkeit musikalisch abgebildet. Alle anderen Geschichten stellen musikalisch autonome Reflexionen über Inhalte dar. Wer so viele Erfahrungen in der Musikgeschichte gesammelt hat wie Chris Jarrett und auf so vielen Feldern musikalisch tätig gewesen ist, der verfügt natürlich über ein nahezu unbegrenztes Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten.

Man musste kein Jazzfan sein, um sein Spiel zu bewundern. Jarretts umfangreiches und vielseitiges Recital spiegelte trotz aller Härten und Disharmonien etwas von einer umfassenden Weltharmonie wieder, denn immer wieder dominierten doch die leisen Töne.

Einen Hauch von Weltharmonie, wenn auch in ganz anderer Weise, ließ auch das Malte-Schiller-Quartett verspüren. Schiller gewann die Zuhörer sofort für sich. Er ist inzwischen ein international gefragter Saxophonist. Und doch freue er sich „ganz doll“, mit seinen Musikern wieder einmal in der alten Schule auftreten zu können. Das waren wieder der Pianist Oliver Poppe und der Schlagzeuger Philipp Pumplün. Neu im Team war der Bassist Michael Gudenkauf aus Vechta. Die Vier harmonieren wunderbar miteinander. Sie verarbeiten jeden ihrer Titel in einer Weise, die an die Durchführungen klassischer Sinfonien erinnert. Der Pianist entwickelt das Thema, das Tenorsaxophon nimmt es in einem eindringlichen Solo auf, der Bassist variiert es in seinen „Walking“-Läufen, der Schlagzeuger bleibt stets im Hintergrund, unterstützt eher melodische Verläufe, als dass er den Rhythmus in den Vordergrund stellt. Gemeinsam freuen sich die Vier über gelungene Soli, und über das feine Zusammenspiel freute sich das Publikum.

Schöner kann Jazz kaum sein.